Kirche in Gaarden
Staunen und Danken

Mit dem Staunen haben wir oft die Freude verlernt - und das Danken

Ein Weißer und ein Indianer gehen durch eine Großstadt. Plötzlich hält der Indianer inne: “Ich höre eine Grille.” Tatsächlich finden sie nach langem Suchen in einem Blumentopf, der vor einer Haustür steht, eine Grille. Der Weiße äußert sich voller Bewunderung über das gute Gehör des Indianers, der im Getöse der Großstadt das leise Zirpen einer Grille hört. Der erwidert: “Weiße hören genauso gut - nur anders.” Zum Beweis wirft er eine Geldmünze vor sich hin. Trotz allen Lärms schauen sofort etliche dorthin, wo die Münze hingefallen ist.

Es geht um Wahrnehmung: was nehme ich eigentlich wie wahr? Ich habe verlernt, viele Dinge wahrzunehmen. Wie anders doch Kinder! Die gehen oft noch staunen durch die Welt, bleiben dauernd stehen und finden immer wieder Neues, Spannendes. Und dann müssen Sie ‘mal auf die armen, leidgeprüften Mütter achten. Die, die all das Tolle gar nicht mehr wahrnehmen können. “Ja, ja, mein Schatz, ist ja gut, und jetzt komm endlich!”

So viele Dinge sind uns Großen inzwischen selbstverständlich geworden, oder können Sie sich noch über die Schönheit einer Glasscherbe freuen oder über den im Sonnenlicht tanzenden Staub staunen?

Und mit dem Staunen haben wir oft die Freude verlernt - und das Danken.

Wie oft sind bei mir schon Leute erschienen, um mir ihr Leid zu klagen: “Wie konnte Gott das zulassen?”

Aber noch nie hat einer bei mir geklingelt, um mir schulterklopfend zu sagen: “Eh, Pastor, bestell Deinem Boss ‘mal ein herzliches Dankeschön. Das läuft alles wirklich super zur Zeit. Und da wollte ich nur ‘mal ‘Danke Gott’ sagen.”

Ich wünsche Ihnen, dass Sie wieder lernen, voller Staunen die schönen Seiten der Welt zu entdecken.


Ihr Pastor
Ferdinand Ohms
 

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.
(Jahreslosung 2010; Johannes 14, 1)