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Vom Generationenvertrag zum Kampf der Generationen: Wie lange können es sich die Kinder noch leisten, ihre Eltern auszuhalten?
Steht uns ein Kampf der Generationen bevor? Bisher war
Deutschland, von den Skandinaviern vielleicht einmal abgesehen, vorbildlich; denn es gab ein soziales Netz, durch das man nur sehr schwer fallen konnte.
Doch die in den fetten Jahren aufgebauten Strukturen werden
nun zur Belastung. Das deutsche Sozialsystem krankt an seiner Kostenlast. Dringend erforderliche Rationalisierungen werden jedoch nicht eingeleitet, und politisch gewünschte sachfremde Leistungen werden nicht durch
Steuermittel finanziert.
Das hat zur Folge, dass unsere Regierungen immer mehr vom sozialen Netz wegschneiden, auf das wir früher zu recht stolz gewesen sind. Seit über 100 Jahren gibt es die Krankenversicherung,
und das Studium ist noch kostenfrei. Wie lange noch? Werden wir langsam US-amerikanisch? Diejenigen, die sich das Benötigte leisten können, tun es auch, und die anderen müssen sehen, wo sie bleiben?
Auch das
Rentensystem ist betroffen: Bisher war es so, dass die Rente der Senioren von den Lohnabzügen der Erwerbstätigen gezahlt wurde. Das Prinzip nannte sich Generationenvertrag. Die aufgeblähte Verwaltung der
Rentenversicherungsträger stand nie wirklich zur Disposition; denn das System funktionierte ausreichend, solange es mehr Rentenzahler als Rentenempfänger gab.
Jetzt allerdings kommt mit Riesenschritten ein
gewaltiges Problem auf uns zu: Die Anteil der Menschen über 60 in Deutschland wird sich im Laufe der nächsten 30 Jahre verdoppeln. Und nicht nur die regulären Rentenempfänger belasten das System. Bedingt durch die
katastrophalen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt ist mit einer steigenden Zahl von unfreiwilligen Frührentnern zu rechnen, die nicht mehr einzahlen.
Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass die Zahl der
Rentenempfänger die Zahl der Rentenzahler übersteigen wird. Die Rentenzahler werden also noch mehr als heute leisten müssen, damit der Generationenvertrag aufrechterhalten werden kann. Doch leider ist der
Arbeitslosenanteil ausgerechnet in der Altersgruppe der 35- bis 45-jährigen am höchsten. Schon heute kann niemand mehr damit rechnen, von der Ausbildung bis zur Rente durchgehend in einem Beschäftigungsverhältnis zu
bleiben. Es wird immer schwerer werden, kontinuierlich Geld zu verdienen, und die Folgen für das Rentensystem liegen auf der Hand.
Die Gruppe der Arbeitnehmer wird zukünftig nicht mehr ausreichen, um die
Rentenzahlungen sicherzustellen. Sicherlich ließen sich durch die Verschlankung der Verwaltung der Rentenversicherungsträger (LVA, BfA) erhebliche Mittel einsparen, die dem System an sich zugute kämen. Doch das
grundsätzliche Problem kann so eher nicht gelöst werden. Hier ist eine Systemreform erforderlich. Das Zauberwort heißt Eigenverantwortung, das wissen alle, doch über das “Wie” ist man sich leider nicht einig.
Die
Generationen werden aufeinanderprallen und versuchen müssen, das jeweils Beste für sich herauszuholen. Schwierig wird das insbesondere durch die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge, die jetzt oder in Kürze in Rente bzw.
Pension gehen oder bereits gegangen sind. Diese Gruppe ist Umfragen zufolge zwar für Reformen, aber nicht zu ihren Lasten.
Weshalb ist das so schwierig? Zum einen geht es keiner Generation von Rentnern so gut wie
dieser (man beachte die Verhältnisse, in denen die Eltern der heutigen Rentner und Pensionäre alt geworden sind!), und es ist abzusehen, dass auch keine mehr an diese heranreichen wird. Zum anderen handelt es sich um
eine Gruppe von ungefähr 20 Millionen Menschen, was bedeutet, dass es sich keine Partei leisten kann, diese Gruppe zu verprellen. Reformen zu Lasten dieser Gruppe sind also nicht ohne weiteres möglich.
Die
Verlierer sind diejenigen, die zwischen 1960 und 1980 geboren worden sind. Sie haben noch darauf vertraut, dass die Rente sicher sei. Im Glauben darauf haben sie sich bisher wenig oder gar nicht um eine private
Alterssicherung gekümmert. Und wenn man sich vor Augen hält, wie viel Erträge deren BfA- oder LVA-Beiträge erbracht hätten, wenn sie statt dessen rational-renditebringend angelegt worden wären, ist es nicht
verwunderlich, wenn man Tränen der Wut und Enttäuschung sieht. Die zu erwartende Besteuerung der Renten im zukünftigen Bezugsfall macht das Ganze nicht angenehmer.
Diejenigen, die ab 1980 geboren worden sind,
haben sich größtenteils schon auf den Gedanken der Selbstverantwortung einstellen können und arbeiten im Wissen, dass es wichtig ist, für das Alter vorzusorgen. Es wird dieser Gruppe zwar wahrscheinlich nicht mehr so
gut gehen wie den heutigen Alten, aber immerhin kann sie ihre Mittel noch sinnvoll für die Zukunft anlegen.
Sehr geehrte Damen und Herren Politiker, auch wenn es angesichts 20 Millionen potentieller Stimmen
schwer fällt: Es muss ein neuer Generationenvertrag her, der dafür Sorge trägt, dass die bereits gezahlten Beiträge nicht verloren gehen (auf eine angemessene Verzinsung wagt ja ohnehin zwischenzeitlich fast niemand
mehr zu hoffen) und dennoch die Brücke zwischen Solidarprinzip und Eigenverantwortung zu schlagen imstande ist.
Dürften die 16 Millionen nicht wahlberechtigten Kinder, die später die Zeche zu zahlen haben, an der
Wahlurne mitentscheiden, würde sicherlich in kürzester Zeit eine Lösung gefunden werden...
Herzlichst Ihr Matthias Wagner |