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Qualität hat ihren Preis
Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Doch der harte Wettbewerb im Einzelhandel produziert viele Verlierer. Seite längerem ist klar, dass die kleineren
Läden “um die Ecke” mehrheitlich nicht gegen die Discounter werden bestehen können.
Doch es wird weitere Verlierer geben; immer deutlicher zeichnet sich ab, dass auch die Bauern dazugehören werden. Immer wieder
lese ich, wie ihre Produkte als Lockmittel deutlich unter dem Einkaufspreis feilgeboten werden. Besonders häufig handelt es sich hierbei um die Milch.
Nun gibt es zwar Produkte, die unter dem Einkaufspreis
angeboten werden müssen, weil ansonsten die Kunden ausblieben: Butter gehört dazu, weil man vom Handel erwartet, dass man sie vorfindet. Zum kostendeckenden Preis jedoch kann man Butter in der Regel nicht ins
(Kühl-)Regal stellen, weil die Kunden dann ebenfalls abwanderten.
Andere Produkte können nur als Kombination angeboten werden: So müssen Nassrasierer häufig “unter Preis” verkauft werden, damit sie überhaupt
abgesetzt werden können; entsprechend teurer sind denn auch die dazu passenden Klingen.
Und dann gibt es die klassischen “Lockvögel”: Da werden Musik-CDs unter dem Einkaufspreis verkauft, weil man hofft, dass
sich die Kunden auf dem Weg zur Kasse noch zum Kauf eines Toasters entschließen.
Kurzfristig gesehen profitieren die Verbraucher. Sie kaufen billig ein, und ob die erworbene Ware mehr wert ist als sie gekostet
hat oder nicht, interessiert sie in der Regel wenig.
Auf der Strecke bleiben die Bauern. Es will mir einfach nicht in den Kopf gehen, wieso Milch billiger sein kann oder soll als Mineralwasser. Natürlich wollen
Marken gepflegt werden, und wenn eine Mineralwassermarke sich als besonders “edel” von den Mitbewerbern abheben will, kann der Preis als Abstandhalter bemüht werden.
Doch wenn die Erzeugungskosten für Milch 32
Cent pro Liter übersteigen, während die Bauern dagegen bei Abnahme nur noch 28 Cent erhalten, dann heißt das schlicht, dass die Bauern von der Substanz leben - und zwar noch so lange, bis keine mehr da ist.
Kann das politisch gewollt sein?
Die Abnehmer beruhigen ihr gewissen damit, dass dann eben der Staat seine Subventionen erhöhen müsse. Doch das ist der falsche Weg. Abgesehen davon, dass Subventionen immer auch
einen erheblichen Eingrff in den Marktmechanismus bedeuten, der den meisten Volkswirten nicht ohne Grund zuwider ist, lässt die Politik seit einiger Zeit erkennen, dass Subventionen zukünftig (richtigerweise!) generell
heruntergefahren werden. Insofern täuscht man sich also nur selbst.
Die Gefahr liegt darin, dass diese Niedrigpreise (das Wort “Dumping” ist hier durchaus angebracht) den Verbraucher erheblich manipulieren. Im
Verbraucherbewusstsein wird die Kenntnis um den Wert einer Ware ausgeblendet, er wird zum reinen Schnäppchenjäger heruntergestuft, für den sich der Wert der Ware einzig über den niedrig(st)en Preis definiert.
In
der Folge sterben die produzierenden Betriebe hierzulande - das Problem bezieht sich im übrigen nicht nur auf die Landwirtschaft - gleich reihenweise, obwohl sie den Billigerzeugnissen aus dem Ausland qualitativ immer
noch meist den Rang ablaufen. Der Verbraucher bekäme dann Waren aus Niedriglohnländern, bei denen weniger Qualitäts-, Gesundheits- und Umweltauflagen einzuhalten sind.
Ein Alptraum? Nein, vielleicht bald
Realität, wenn wir nicht einsehen können oder wollen, dass Qualität ihren Preis hat!
Herzlichst, Ihr Matthias Wagner |