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Sozialkirche St. Matthäus in Kiel-Gaarden eingeweiht
Was macht
man mit einer Kirche, die nicht mehr gebraucht wird in einem Stadtteil, in dem rund vierzig Prozent der Bevölkerung von Sozialhilfe leben? Man baut sie zur Sozialkirche um. Doch was sich als Ergebnis so einfach anhört,
war für viele Beteiligte harte Arbeit, bevor am 22. Januar tatsächlich die erste Sozialkirche Norddeutschlands in Kiel-Gaarden eingeweiht werden konnte. “Die Sozialkirche ist kein Grund zur Freude, denn es ist
beschämend, wie viele Menschen auf Hilfe angewiesen sind”, sagte Propst Thomas Lienau-Becker bei der Einweihung, “aber sie ist ein real gewordener Ort der Hoffnung und damit im tiefsten Sinn Kirche.”
Doch jetzt der Reihe nach. Im Kieler Stadtteil Gaarden gibt es in fußläufiger Entfernung drei Kirchen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigte, dass für
regelmäßige Gottesdienste zwei Kirchen ausreichend Platz bieten. Außerdem ist dieser Kieler Stadtteil auf dem Ostufer in besonderer Weise durch die Armut der Bevölkerung geprägt; Gaarden gilt als Armenhaus der
Landeshauptstadt, die Arbeitslosenquote liegt bei zwanzig Prozent. Dieser Not wollten die drei Träger - Kirchengemeinde,
Kieler Tafel und die Evangelische Stadtmission Kiel
- offensiv und mit einem Netzwerk verschiedener Angebote begegnen. “Jeder macht das, was er am besten kann”, lautet das Motto der Zusammenarbeit in der Sozialkirche St. Matthäus.
Jetzt wurde in das
Kirchengebäude ein Laden der Kieler Tafel integriert. Er ist der Anziehungspunkt der Sozialkirche, an vier Wochentagen geöffnet und verteilt wöchentlich Lebensmittel an etwa 700 Kunden. Da jeder Kunde für einen Haushalt
mit ca. zwei Personen steht, profitieren in Gaarden hiervon zurzeit etwa 1.300 Menschen. “Sieben bis acht ehrenamtliche Helfer organisieren die Lebensmittelverteilung, der Ablauf ist schon jetzt rund”, erläutert Bernd
Blohm, Mitglied im Vorstandsteam der Kieler Tafel mit einem Dank an die Sponsoren, die die Lebensmittel zur Verfügung stellen.
Die Evangelische Stadtmission ergänzt dieses Angebot mit einer Caféteria und einer
Begegnungsstätte. Hier haben bereits jetzt rund zwanzig langzeitarbeitslose Menschen aus Gaarden eine Arbeitsmöglichkeit gefunden; weitere zwanzig sollen in Zukunft dazukommen. Darüber hinaus stellt die Stadtmission
eine professionelle Sozialberatung für die Besucher bereit. Ein Schwerpunkt wird die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den sozialen Einrichtungen des Stadtteils wie Schulen und Sportvereinen sein.
Trotz all
dieser Angebote bleibt die St.-Matthäus-Kirche auch weiterhin Kirche, in der Andachten und Gottesdienste gefeiert werden. Im Altarbereich der Kirche ist ein Raum der Stille mit 30 - 40 Sitzplätzen entstanden.
Unterstützt durch einen Kreis von Ehrenamtlichen wird dieser Raum ein offenes Angebot bieten für Menschen, die dem Trubel des Alltags entkommen wollen oder aber ein offenes Ohr für ihre Fragen und Nöte suchen. “Damit
gibt die Kirche bewusst denjenigen Raum, deren Leben von Armut geprägt ist und die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind”, so Pastor Matthias Ristau, der seit Anfang dieses Jahres die Arbeit der Sozialkirche
begleitet.
Die Kosten für den Umbau der Kirche beliefen sich auf 126.500 Euro. 15 Prozent dieser Summe tragen die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis. Die verbleibenden etwa 106.000 Euro wurden durch das
Programm “Soziale Stadt” getragen, einem nationalen Programm, welches anteilig von Kommunen, Ländern und vom Bund finanziert wird. Aus diesem Programm wird auch ein Teil der laufenden Kosten gefördert.
Vom 26. - 31. Januar ludt die Sozialkirche zu einer Einweihungswoche ein. Jeden Morgen
um 9.00 Uhr gab es Orgelmusik und eine Andacht, im kulturellen Nachmittags- und Abendprogramm gab es Fotos von der Landesgartenschau, einen Bericht von Pastor Ristau über seine Arbeit in Brasilien, einen
russischen Nachmittag, ein Gospelkonzert und jiddische Musik.
Architekt Peter Klinck (rechts) überreicht den Schlüssel zur Sozialkirche an die Pastoren Matthias Ristau und Uwe Hagge, Kay
Nernheim, Geschäftsführer der Ev. Stadtmission, und Bernd Blohm, Vorstand der Kieler Tafel (von links).
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Kirchenkreises Kiel/Altholstein; Bericht und Foto: Reinhart
Kauffeld
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