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Die Geschichte des Christbaums
Die christlichen Symbolfarben von Advent und Weihnachten - sowohl im Adventskranz als auch beim Tannenbaumschmuck sind Grün und Rot. Grün symbolisiert
nicht nur die Hoffnung auf Lebenserhalt im dunklen Winter, sondern damit auch die Treue. Die Lebenskraft, die in wintergrünen Gewächsen steckte, wurde oft auch als Heilkraft gedeutet. So glaubte man sich Gesundheit ins
Haus zu holen, wenn man es mit Grünem schmückte. Fichte, Tanne, Kiefer, Eibe Buchsbaum, Ilex, Stechpalme, Stechginster, Wacholder, Efeu, Kronsbeere, Rosmarin und dem Buchsbaum wurden besondere Kräfte zugesprochen.
Rot erinnert an das Blut Christi, das er vergossen hat, damit die Welt erlöst werde. Die Farbkombination von Grün und Rot versinnbildlicht Christen also die übernatürliche Hoffnung. Die Farben prägen den Christbaum, die
Tischdekoration (.z. B. mit dem Weihnachtsstern), Weihnachtspost und das Verpackungsmaterial der Geschenke.
Zur Feier der Wintersonnenwende wurden grüne Zweige als Schutz und Zaubermittel sowie zur Beschwörung
des Sommers geschlagen. In allen Kulturen und Religionen ist der immergrüne Baum Wohnsitz der Götter und damit Zeichen des Lebens gewesen. Die Sitte, grüne Tannenzweige ins Haus zu stellen, wird schon für 1494 im
“Narrenschiff” Sebastian Brants bezeugt. Aus dem Jahr 1535 ist überliefert, dass in Straßburg kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft wurden, die noch ohne Kerzen in den Stuben aufgehängt wurden. 1605 soll
es dann bereits einen mit Äpfeln geschmückten, aber noch kerzenlosen Weihnachtsbaum in Straßburg gegeben haben, der als “Gabenbaum” oder “Bescherbaum” errichtet war.
Der “Christbaum” hat seinen Ursprung im
mittelalterlichen Krippenspiel in der Kirche. Vor dem eigentlichen Krippenspiel fand das Paradiesspiel statt, in dem gezeigt wurde, wie durch Adam und Eva die Sünde in die Welt kam, von der wir durch Christi Kreuzestod
befreit wurden. Zu diesem Spiel gehörte ein immergrüner Baum als “Paradiesbaum” (auch Adamsbaum), der mit Äpfeln geschmückt war. Mit den Jahren wurde der Paradiesbaum immer schmucker: (Vergoldete) Nüsse, Festgebäck und
Süßigkeiten ersetzten bzw. ergänzten nach und nach die Äpfel, um die “paradiesische” Funktion des Baumes für die Gläubigen deutlich zu machen. In “Silber”-Papier und in “Gold”-Papier eingewickelte Früchte dieses Baumes
sind so zu den Vorlagen für Christbaumkugeln und Christbaumschmuck geworden.
Im 16./17. Jahrhundert taucht der Paradiesbaum außerhalb der Kirche auf: bei Gemeinschaftsfeiern von Zünften und Bruderschaften. Er
löste sich damit vom Krippenspiel ab, wurde Symbol der Advents- und Weihnachtszeit.
Der erste kerzengeschmückte Tannenbaum schließlich ist überliefert als 1611 in Schlesien im Schloss der Herzogin Dorothea
Sybille von Schlesien aufgestellt.
Im 18. Jahrhundert wurde der Tannenbaum immer häufiger; so berichtet Lieselotte von der Pfalz 1708 von einem Buchsbäumchen mit Kerzen: “Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel
habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen,
Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu
Hannover das Christkindel zum letzten Mal [1662] kommen ließ.”
Die Lichterbäume tauchen zunächst in den Wohnstuben evangelischer Familien auf - als konfessionelles Gegensymbol zur (katholischen) Weihnachtskrippe.
Der preußische König Friedrich der Große (1740 - 1786) berichtet 1755 von Tannenbäumen,an denen die Eltern “vergoldete Erdäpfel” (= Kartoffeln) aufhängen, “um den Kindern eine Gestalt von Paradiesäpfeln vorzuspiegeln”.
Johann Wolfgang von Goethe lernte den Weihnachtsbaum in Straßburg 1770 kennen, und so ist eine der frühesten literarischen Erwähnungen in seinem “Werther” von 1774 zu finden. Auch wenn der Weihnachtsbaum schon
in Berlin und Hamburg vor 1800 bezeugt ist: allgemein gebräuchlich wurde er erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Dass die Verbreitung relativ langsam vorangekommen war, hatte natürlich viel damit
zu tun, dass ihn die Kirchen wegen seiner “magischen Herkunft“ zunächst abgelehnt hatten.
In Berlin tauchte der erste Weihnachtsbaum um 1780 auf. Für das Jahr 1813 werden die ersten Weihnachtsbaüme aus Wien und
Graz gemeldet. Allgemeiner verbreitet hat sich der Christbaum in Österreich erst, seit Henriette von Nassau-Weilburg, die Gemahlin des Erzherzogs Karl, im Jahre 1816 das Weihnachtsfest mit einem kerzengeschmückten
Weihnachtsbaum gefeiert hatte. Durch den deutschen Prinzgemahl Albert der britischen Königin Victoria (1837 - 1901) kam der Weihnachtsbaum auch nach England. Ab dem 19. und 20. Jahrhundert kommt der Tannenbaum auch in
die Wohnzimmern katholischer Familien.
In die Neue Welt kam der Weihnachtsbaum gewissermaßen im Reisegepäck deutscher Auswanderer. Die Nazis hatten den Christbaum nur noch als Weihnachts- oder Tannenbaum
durchgehen lassen.
Den berühmten Londoner Weihnachtsbaum erhalten die Engländer jedes Jahr aus Oslo zum Geschenk. Die Norweger erinnern damit jährlich an ihre gemeinsame Waffenbrüderschaft gegen die deutschen
Nationalsozialisten.
In DDR-Zeiten konnten weder “Christ-” noch “Weihnachts”-Bäume - wobei der Begriff Weihnachtsbaum schon eine deutliche Reduzierung vom Festanlass zum puren Festtag darstellt - zugelassen
werden und so wurde dem Christbaum einfach eine passende Geschichte und ein neuer Name - “Schmuckbaum” gegeben. Man erklärte seine Vergangenheit als Festbaum der Zünfte, der zum Kinderbaum geworden sei. Eben
deshalb habe ihn die Sowjetunion 1935 zu Silvester als “Gabenbaum” eingeführt.
Heute ist der Weihnachtsbaum in fast allen Häusern und Kirchen üblich, wobei die “Weihnachtstanne” übrigens meistens eine Fichte
ist! Schätzungsweise 22 bis 23 Millionen Weihnachtsbäumen werden für das Fest der Liebe gebraucht.
Berühmte Christbäume stehen auf dem Petersplatz in Rom und auf dem Trafalgar Square in London.
Der katholische Papst erhält übrigens jedes Jahr einen Weihnachtsbaum für den Petersplatz zum Geschenk.
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